Der Entsorgungsmonitor 2008 - Ein Projekt der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)

INSM-Hintergrund: Die Methodik des Entsorgungsmonitors

Grundlage des INSM-Gebührenvergleichs


INSM-Hintergrund: Die Methodik des Müllgebührenvergleichs

Um die Abfallgebühren in den untersuchten Gemeinden vergleichbar zu machen, wurden verschieden Annahmen getroffen. Neben einem Musterhaushalt wurden dabei drei verschiedene Restmüllmengen definiert. Für den Biomüll wurde ebenso wie beim Sperrmüll und den Wertstoffen ein konstanter Wert bestimmt. Da nicht alle Städte den gleichen Servicegrad (Abholung der Tonnen vom Grundstück = Vollservice; Abholung der Tonnen vom Bürgersteig = Teilservice) und die gleichen Abfuhrrhythmen anbieten, wurde zudem ein hypothetisches Gesamtranking für die drei Restmüllmengen in vier verschiedenen Systemvarianten (Servicegrad und Abfuhrrhythmus) ermittelt. Das Ergebnis ist im Abfallgebührenindex zusammengefasst.

Musterhaushalt

Der Musterhaushalt besteht aus insgesamt vier Personen - zwei Erwachsene und zwei Kinder. Diese genaue Differenzierung ist notwendig, da die Personengebühren in einigen Städten altersabhängig sind.

Die Familie besitzt ein Einfamilienhaus und betreibt keine Entsorgungsgemeinschaft mit den Nachbarn, o. ä. Bei dieser Definition wird von einigen Städten entgegnet, dass dies kein "typischer" bzw. durchschnittlicher Haushaltstyp sei. Für einen anschaulichen Gebührenvergleich ist diese Musterfamilie jedoch durchaus üblich und daher auch hier als Standard gesetzt.

Müllmenge

Die zu Grunde gelegten Abfallmengen sind für die meisten Gebührenmodelle die entscheidende Größe. In den meisten Abfallgebührenvergleichen wird nur eine Menge für Rest- und Biomüll festgelegt, sowie vereinfachte Annahmen für Sperrmüll und sonstige Abfallarten getroffen. In diesem Vergleich sind insgesamt drei Restmüllmengen verglichen worden; Biomüll (20 Liter je Haushalt und Woche), Sperrmüll (mind. 2 m³ p.a.) und Wertstoffe (niedrigste Menge) sind konstant. Diese Vorgehensweise ist sinnvoll, da die Müllgebühren in vielen Städten nicht linear mit der Menge steigen oder sinken. So gibt es Fälle, die bei niedrig angesetzten Müllmengen relativ preisgünstig, aber bei höheren Müllmengen verhältnismäßig teuer sind und umgekehrt. Mit dieser Vorgehensweise – nämlich drei Müllmengen zu untersuchen – können annähernd Durchschnittskosten ermittelt werden, so dass eine bessere Vergleichbarkeit gewährleistet ist.

Variante 1, normale Müllmenge:

60 Liter Restmüll je Haushalt und Woche (15 Liter pro Person)

Diese Müllmenge entspricht dem Wert, der in den meisten Abfallgebührenvergleichen gewählt wird. Trotzdem wird auch dieser häufig als zu hoch kritisiert. Aufgrund der Angaben zu den Mindestvorhaltevolumen der Städte ist dieser Wert aber durchaus als "realistisch" anzunehmen, zumal bei der Vorgabe einer Tonne auch selbige bezahlt werden muss, und nicht die tatsächlich anfallende Müllmenge.

Variante 2, niedrige Müllmenge:

30 Liter Restmüll je Haushalt und Woche (7,5 Liter pro Person)

Diese Variante stellt den so genannten "Sparhaushalt" dar. Sie soll zeigen, ob sich in einer Stadt Müllvermeidung bzw. -trennung wirklich lohnt. Aufgrund der Gebührenmodelle (z. B. bei reinen Personengebühren) und dem Angebot an zur Verfügung stehen Tonnen (z. B. kleinste Tonne fasst 120 Liter) ist dies nicht in jeder Stadt der Fall.

Variante 3 Hohe Müllmenge:

98 Liter Restmüll je Haushalt und Woche (24,5 Liter pro Person)

Diese Zahl ist ein statistischer Wert und errechnet sich aus dem tatsächlichen Aufkommen an Haushaltsmüll der Städte. Da die Angaben für das Müllaufkommen in der Regel in Tonnen (mg) gemacht werden, musste das Aufkommen in Liter (Volumen) umgerechnet werden. Als Umrechnungsfaktor für die Originalwerte wurde beim Restmüll von einer Dichte von 150kg/m³ ausgegangen.
In diesem Vergleich stehen die 98 Liter für den "Vielverbraucherhaushalt". Einzelne Haushalte, die hohe Müllmengen produzieren und schlecht oder gar nicht trennen, können aber natürlich auch noch darüber liegen. In der Regel liegt die anfallende Müllmenge allerdings darunter.

Da zum Teil Mindestvorhaltevolumen zu berücksichtigen sind, wurden in den entsprechenden Städten nicht durchgehend die Müllmengen der Varianten 1-3 zu Grunde gelegt, sondern mindestens die satzungsmäßige Vorgabe. So gehen beispielsweise beim Sparhaushalt (Variante 3) fast die Hälfte aller Städte nicht mit 7,5 Liter pro Woche und Person in die Berechnung ein.

Systemvarianten (Servicegrad und Rhythmus)

Nicht alle Städte bieten den gleichen Servicegrad und den gleichen Abholrhythmus der Tonnen an. Um die Vergleichbarkeit weitestgehend zu gewährleisten, wurden daher vier verschiedene Systemvarianten gebildet, mit der Maßgabe, dass beim Vollservice jeweils die niedrigste Servicestufe gewählt wurde und nur ein- bzw. zweiwöchiger Abfuhrrhythmus beim Restmüll zugelassen wurde. Da einige Städte nur einen Vierwochenrhythmus anbieten bzw. den Müll nach Bedarf abfahren lassen, musste in diesen Fällen entweder linear approximiert werden oder die Zahl der Abfuhren individuell berechnet werden. Aufgrund der Maßgabe, dass die Abfuhr nur ein- oder zweiwöchig erfolgt, gingen in letzterem Fall also mindestens 26 Leerungen in die Berechnung ein.

Systemvarianten

  • 1 Woche Teilservice (1W_TS)
  • 2 Wochen Teilservice (2W_TS)
  • 1 Woche Vollservice (1W_VS)
  • 2 Wochen Vollservice (2W_VS)

Aus dieser Vorgehensweise folgt, dass es insgesamt 12 Rankings gibt (3 Müllmengen x 4 Systemvarianten), die jedoch jeweils nicht mit allen 100 Städten besetzt sind. Im Falle der wöchentlichen Anfuhr sind dies 35 (Teilservice) bzw. 36 (Vollservice) Städte, bei der zweiwöchigen Abfuhr 57 (Teilservice) bzw. 50 (Vollservice).

Es können sich hier also die Städte miteinander vergleichen, die nahezu die gleiche Serviceleistung anbieten und im gleichen Rhythmus den Abfall abfahren lassen.

Abfallgebührenindex

Um trotz der Problematik um die verschiedenen Leistungen und Abfuhrrhythmen ein Gesamtranking für alle 100 Städte darzustellen, wurde ein hypothetisches Ranking mit einem Punktesystem erstellt. Dieses berücksichtigt, dass es Preisunterschiede bei den Tonnen gibt (Preise sind nicht linear) und die Städte unterschiedliche Services anbieten.

Dabei wurde wie folgt vorgegangen:

Städte, die nicht alle Systemvarianten (Voll- und Teilservice/ein- und zweiwöchige Abfuhr) anbieten, wurden mit Aufschlägen/Abschlägen auf die fehlenden Varianten transformiert. Errechnet wurden diese Korrekturfaktoren aus den Werten derjenigen Städte, die mehrere Systemvarianten anbieten. Der Aufschlag von Teil- auf Vollservice liegt dabei etwa bei 13 Prozent. Bei der Überführung von 1-wöchig auf 2-wöchig ergibt sich ein beinahe linearer Korrekturfaktor. So ergibt sich für jede Systemvariante ein vollständiges Ranking mit allen 100 Städten. Aufgrund der drei vorgegeben Restmüllmengen von 30, 60 und 98 Liter ergeben sich somit insgesamt 12 Reihenfolgen.

Aus allen Systemvarianten und allen Restmüllmengen wurde ein Durchschnittspreis gebildet. Anschließend wurden die Werte zuerst in eine Normalverteilung überführt und anschließend in ein Punktesystem mit Mittelwert 100 transformiert. So ergibt sich letztlich eine Rangfolge aller 100 Städte mit einer Mischung aus realen und approximierten Gebühren, die um Müllmengen und Servicegrade strukturbereinigt sind.


* Müll: Restmüll (Hausmüll), Biomüll, Sperrmüll und Wertstoffe.