Der Entsorgungsmonitor 2008 - Ein Projekt der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)

Entsorgungsmonitor 2008 - FAQ

Grundsätzliches zur Methodik, ermittelte Trends und mögliche Fragen zur Studie der IW Consult im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)


Warum hat die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) diesen Vergleich der Entsorgungskosten durchführen lassen?

Die Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH (IW Consult) hat im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die Müll-Entsorgungsgebühren der nach Einwohnern 100 größten Städte in Deutschland untersucht. Die durchschnittliche Höhe dieser Gebühren stellt einen der größten kommunalen Abgabenposten dar, von denen die Bürger betroffen sind. Für diesen Vergleich wurden die Abfallgebühren dieser Städte erhoben, die für eine vierköpfige Musterfamilie in den jeweiligen Städten jährlich anfallen.

Dadurch wird erstmals ein transparenter Kostenvergleich der größten deutschen Städte ermöglicht. Den Einwohnern wird damit die Möglichkeit gegeben, sich über ihre Gebührenhöhe zu informieren, die eigenen Kosten denen anderer Städte gegenüber zu stellen und überdurchschnittlich hohe Belastungen bei den politisch Verantwortlichen zu hinterfragen. Auch den kommunalen Verwaltungen und den politisch Verantwortlichen wird hiermit ein Instrument in die Hand gegeben, um ihre aktuelle Positionierung im Wettbewerb der Städte um attraktive Standortbedingungen besser einschätzen zu können.

Diese Kostenanalyse im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist auch deshalb interessant, weil die Müllgebühren für Außenstehende bislang sehr intransparent erscheinen und der Bürger keine Auswahlmöglichkeit beim Anbieter hat. Er ist letztlich mit steuerähnlichen Abgaben konfrontiert, denen er sich nicht entziehen kann.

Für die Ermittlung der Abfallgebühren wurden jeweils die jährlichen Kosten für Hausmüll, Biomüll, Wertstoffe und Sperrmüll für eine vierköpfige Musterfamilie miteinander verglichen. Berücksichtigt wurde, dass es in den Städten unterschiedliche Servicegrade und Leerungsrhythmen gibt. Mit dieser Vorgehensweise soll dem Hauptkritikpunkt von Abfallgebührenvergleichen soweit wie möglich entgegengewirkt werden, dass auf Grund verschiedener Servicegrade und Leerungsrhythmen kein Vergleich möglich ist.

Entsorgungsmonitor 2008 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) - welche Trends zeigten sich bei den Kosten der Müllentsorgung?

Die Unterschiede zwischen den teuersten und billigsten Städten sind enorm und führen im Extremfall zu vier Mal höheren Kosten oder 500 Euro Preisunterschied im Jahr.

Am deutlichsten werden diese Unterschiede bei einem Blick auf das Modell 1 Woche-Teilservice (das heißt: wöchentliche Abholung ab Kante Bürgersteig. Diesen Service bieten insgesamt 35 der 100 untersuchten Städte an):

  • Bei einer Abfallmenge von 98 Litern Hausmüll reicht die Spannweite von 171 Euro (Gelsenkirchen) bis 674 Euro (Mönchengladbach). Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 503 Euro im Jahr.
  • Bei einer Menge von 60 Litern geht die Spanne von 120 Euro (Gelsenkirchen) bis 505 Euro (Mönchengladbach). Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 385 Euro im Jahr.
  • Bei 30 Litern Hausmüll werden in der günstigsten Stadt 119 Euro (Cottbus) und in der teuersten Stadt 467 Euro (Bielefeld) Abfallgebühren fällig. Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 348 Euro im Jahr.

Die Preisdifferenzen für weitere Servicearten:

Zwei Wochen Teilservice (das heißt: Abholung alle zwei Wochen ab Kante Bürgersteig. Diesen Service bieten 57 der 100 untersuchten Städte an.):
  • Bei einer Abfallmenge von 98 Litern Hausmüll reicht die Spannweite von 180 Euro (Schwerin) bis 558 Euro (Ingolstadt). Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 378 Euro im Jahr.
  • Bei einer Menge von 60 Litern geht die Spanne von 128 Euro (Wolfsburg) bis 383 Euro (Leverkusen). Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 255 Euro im Jahr.
  • Bei 30 Litern Hausmüll werden in der günstigsten Stadt 96 Euro (Recklinghausen) und in der teuersten Stadt 366 Euro (Bremerhaven) Abfallgebühren fällig. Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 270 Euro im Jahr.
Eine Woche Vollservice (das heißt: wöchentliche Abholung vom Grundstück. Diesen Service bieten 35 der 100 untersuchten Städte an):
  • Bei einer Abfallmenge von 98 Litern Hausmüll reicht die Spannweite von 195 Euro (Potsdam) bis 581 Euro (Duisburg). Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 386 Euro im Jahr.
  • Bei einer Menge von 60 Litern geht die Spanne von 156 Euro (Potsdam) bis 444 Euro (Heidelberg). Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 288 Euro im Jahr.
  • Bei 30 Litern Hausmüll werden in der günstigsten Stadt 128 Euro (Essen) und in der teuersten Stadt 444 Euro (Heidelberg) Abfallgebühren fällig. Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 316 Euro im Jahr.
Zwei Wochen Vollservice (das heißt: Abholung alle zwei Wochen vom Grundstück. Diesen Service bieten 50 der 100 untersuchten Städte an):
  • Bei einer Abfallmenge von 98 Litern Hausmüll reicht die Spannweite von 195 Euro (Potsdam) bis 664 Euro (Aachen). Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 469 Euro im Jahr.
  • Bei einer Menge von 60 Litern geht die Spanne von 134 Euro (Wiesbaden) bis 381 Euro (Düsseldorf). Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 247 Euro im Jahr.
  • Bei 30 Litern Hausmüll werden in der günstigsten Stadt 89 Euro (Magdeburg) und in der teuersten Stadt 371 Euro (Duisburg) Abfallgebühren fällig. Preisdifferenz für ein und dieselbe Leistung: 282 Euro im Jahr.

Entsorgungsmonitor 2008 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) - weitere Trends

Regional lässt sich bei der Preisstruktur nur ein Trend feststellen: In Ostdeutschland ist die Müllabfuhr tendenziell günstiger. Viele ostdeutsche Städte liegen unter den Top 20 der preisgünstigsten Städte. Dies erklärt sich auch durch die dort noch geringeren Arbeits- und Lohnkosten. Über alle untersuchten Serviceleistungen hinweg wurden in den untersuchten Großstädten der alten Bundesländer durchschnittlich 300 Euro Müllgebühren im Jahr für einen Vierpersonenhaushalt ermittelt, im Osten sind es im Schnitt nur 253 Euro.

Vom Wohlstand der jeweiligen Städte hängen die Preise jedenfalls nicht ab. Das weißt ein Entsorgungsindex aus, den die Wissenschaftler über alle Servicearten und Abholrhythmen hinweg für alle 100 untersuchten Städte erstellt haben. Insgesamt am kostengünstigsten wird der Müll danach im prosperierenden Wiesbaden entsorgt. Es folgen die Städte Gelsenkirchen, Chemnitz, Potsdam und Magdeburg auf den Plätzen 2-5. Am teuersten ist die Müllabfuhr danach in Bergisch Gladbach, das Platz 100 dieses Gesamtrankings belegt.

Generell zeigt der bundesweite Gebührenvergleich im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), dass es flächendeckend vielfach noch keine marktwirtschaftlich oder nur geringe marktwirtschaftliche Anreize zur Müllvermeidung gibt. Manche Städte setzen finanzielle Anreize, Müll einzusparen, andere überhaupt nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß. In Nürnberg beispielsweise spart man 50 Prozent der Abfuhrkosten, wenn man die wöchentliche Müllmenge von 98 auf 60 Liter reduziert. In Leipzig bringt das keinen Pfennig Ersparnis.

Entsorgungsmonitor 2008 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) - nach welcher Methodik sind die Wissenschaftler vorgegangen?

Grundlage des Gebührenvergleichs bildete eine Auswertung der Abfallgebührensatzungen und eine darauf folgende Befragung der Kommunen. In diesem Vergleich sind folgende Kriterien berücksichtigt, die entscheidend die Höhe der Abfallgebühren bestimmen. Aus all diesen Kriterien wurde ein Abfallgebührenindex errechnet, der die Abfallentsorgungs-Kostenstruktur aller 100 Städte unabhängig von regional unterschiedlichen Serviceleistungen wie ein- bzw. zweiwöchige Abholung oder Abholung ab Kante Bürgersteigung beziehungsweise vom Grundstück aus vergleichbar macht.

  • Abfallmenge: Berechnet sind die Durchschnittsgebühren jeweils für eine Hausmüllmenge von 98 Litern, 60 Litern und 30 Litern pro Woche. Zusätzlich fallen 20 Liter Biomüll pro Woche und Haushalt an, der entweder in der Hausmüll- oder einer separaten Biomülltonne entsorgt wird.
  • Servicegrad: Mit Zu- oder Abschlägen sind verschiedene Servicegrade berücksichtigt, denn die Höhe der Gebühren hängt davon ab, ob die Mülltonnen von den Nutzern an den Abholplatz gestellt werden (Teilservice) oder von dem Entsorger von dem Standplatz abgeholt und wieder zurückgebracht werden (Vollservice).
  • Abholrhythmus: Ebenfalls berücksichtigt sind verschiedene Leerungsintervalle (z. B. wöchentlich oder zweiwöchentlich).
  • Andere Müllsorten: In den Vergleich gehen auch die Gebühren für Wertstoffe und Sperrmüll ein. Grundlage der Punkteverteilung sind die aktuellen Müllgebühren der Städte. Wenn in einer Stadt ein bestimmter Servicegrad oder Abholrhythmus nicht angeboten wird, werden die Gebühren hierfür durch Zu- oder Abschläge aus den Durchschnittswerten der anderen Städte geschätzt. Die ermittelten Ergebnisse werden in eine Punktewertung überführt. Bei allen Berechnungen wird die optimale Tonnenkombination (Behältergrößen) zugrunde gelegt, die in der Stadt angeboten wird.

Mehr zur Methodik finden Sie im wissenschaftlichen Endbericht zur Studie.

Der in diesem Abfallgebührenvergleich unterstellte Musterhaushalt besteht aus insgesamt vier Personen - zwei Erwachsenen und zwei Kindern. Die Familie besitzt ein Einfamilienhaus, betreibt keine Entsorgungsgemeinschaft mit den Nachbarn und keine Eigenkompostierung. Bei dieser Definition wird von einigen Städten entgegnet, dass dies kein "typischer" bzw. durchschnittlicher Haushaltstyp sei. Für einen anschaulichen Gebührenvergleich ist diese Musterfamilie jedoch durchaus üblich und daher hier auch als Standard gesetzt.

Entsorgungsmonitor 2008 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM): 30, 60, 98 Liter pro Woche - wie wurden die Müllmengen festgelegt?

In diesem Vergleich sind insgesamt drei Restmüllmengen verglichen worden; Biomüll (20 Liter je Haushalt und Woche), Sperrmüll (mindestens 2 Kubikmeter pro Jahr) und Wertstoffe (niedrigste Menge) sind gesetzt. Diese Vorgehensweise ist sinnvoll, da die Müllgebühren in vielen Städten nicht linear mit der Menge steigen oder sinken. So gibt es Fälle, die bei niedrig angesetzten Müllmengen im Vergleich sehr preisgünstig erscheinen, aber bei höheren Müllmengen verhältnismäßig teuer sind und umgekehrt.

  1. Hohe Müllmenge: 98 Liter Restmüll je Haushalt und Woche (24,5 Liter pro Person). Diese Zahl ist ein statistischer Wert und errechnet sich aus dem tatsächlichen Aufkommen des Haushaltsmülls der Städte. In diesem Vergleich sind die 98 Liter als "Obergrenze" zu verstehen, also als maximale Müllmenge. Einzelne Haushalte, die hohe Müllmengen produzieren und schlecht oder gar nicht trennen, können aber natürlich auch noch darüber liegen. Die meisten Haushalte liegen allerdings darunter. In der Statistik für das Aufkommen an Hausmüll ist zu berücksichtigen, dass einige Städte Hausmüll und haushaltsähnlichen Gewerbemüll nicht einwandfrei trennen können (gemischte Siedlungsabfälle).
  2. Normale Müllmenge: 60 Liter Restmüll je Haushalt und Woche (15 Liter pro Person) Diese Müllmenge entspricht dem Wert, der in den meisten Abfallgebührenvergleichen gewählt wird. Trotzdem wird auch dieser häufig noch als zu hoch kritisiert. Aufgrund der Angaben zu den Mindestvorhaltevolumen der Städte ist dieser Wert aber durchaus als "realistisch" anzunehmen, zumal bei der Vorgabe einer Tonne auch selbige bezahlt werden muss, und nicht die tatsächlich anfallende Müllmenge.
  3. Niedrige Müllmenge: 30 Liter Restmüll je Haushalt und Woche (7,5 Liter pro Person) Diese Variante stellt den so genannten "Sparhaushalt" dar. Sie soll zeigen, ob sich in einer Stadt Müllvermeidung bzw. -trennung wirklich lohnt. Aufgrund der Gebührenmodelle und dem Angebot an zur Verfügung stehen MGB ist dies nicht in jeder Stadt der Fall. Da die Mindestvorhaltevolumen zu berücksichtigen sind, wurden in den entsprechenden Städten nicht die Müllmengen der Varianten 1-3 zu Grunde gelegt, sondern gegebenenfalls die satzungsmäßige Vorgabe. So gehen beispielsweise beim Sparhaushalt (Variante 3) fast die Hälfte aller Städte nicht mit 7,5 Liter pro Woche und Person in die Berechnung ein, sondern mit höheren Werten

Entsorgungsmonitor 2008 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM): Wurden die Städte an den Recherchen für diesen Gebührenvergleich auch direkt beteiligt?

Den untersuchten 100 Städten wurde per Fragebogen die Möglichkeit gegeben, die von der IW Consult aus den Abfall- und Abwassersatzungen ermittelten Gebühren zu bestätigen bzw. zu korrigieren. Dabei wurde ihnen der Musterhaushalt mit den definierten Müll- bzw. Abwassermengen vorgegeben. Zusätzlich wurden Strukturdaten, wie das Müllaufkommen, die Zuständigkeit für die Entsorgung (eigene Verwaltung, Eigenbetrieb, privat) oder auch die Verteilung der Verwertung in stofflich und thermisch abgefragt. Insgesamt haben 60 von 100 Städten geantwortet. Davon gaben zwei an, dass sie an der Befragung nicht teilnehmen.

Bei den anderen Städten war die Antwortqualität sehr unterschiedlich. Zum Teil wurden die Vorgaben bezüglich der Müllmenge geändert, andere Städte haben Auslastungsgrade der Tonnen berechnet und die Gebühren dann anteilig angegeben. Bei einigen Antworten wurden Biomüll und/oder Sperrmüll außen vor gelassen. Bei diesen Städten wurden die Angaben nicht in das Ranking übernommen, sondern die von der IW Consult berechneten Werte. Der größte Teil der Kommunen hat die Daten aber bestätigt und die erbetenen Angaben über das tatsächliche durchschnittliche Tonnenvolumen in ihrer Stadt und die entsprechenden Preise gemacht. Kritisch wurde von vielen Städten die vorgegeben Restmüllmenge beurteilt. Der Grund für diese - vergleichsweise hoch - angesetzte Müllmenge ist der Methodik der Gebührenerhebung geschuldet. So war es eher möglich, die Richtigkeit der Berechnungen zu überprüfen, da vermehrt Tonnenkombinationen eingesetzt werden mussten.


* Müll: Restmüll (Hausmüll), Biomüll, Sperrmüll und Wertstoffe.